Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Einblicke vom den ersten 2 1/2 Verhandlungstagen

Südostasiatische Insel sind hervorragende Kandidaten, um zu zeigen, was ein nicht gebremster Klimawandel anrichten kann. Yvo de Boer der Chef, des Sekretariats der UN Klimarahmenkonvention brachte die Austragung der Verhandlungen in Bali und das, was ansteht, mit seiner Eröffnungsrede auf den Punkt:

"You have welcomed us to one of the most beautiful palces on pur planet. a picture-perfect paradise, but an island that is also highly vulnerable to cliamte Chnage impacts. The outcome of this conference will, to a degree, determine wheter Bali - and other vulnerable Places - are destined to become a lost paradis, or not."

Die Konferenz eröffnete am Montag mit einem Statement des indonesischen Umweltministers, der als Gastgeber die Verhandlungen leitet. Auch er machte klar, worum es hier in Bali geht:

"Many have also supported a target date of 2009 for concluding an outcome. It is imperative that we start this process in Bali. While the launch of negotiations and a clear deadline of 2009 to end the negotiations will constitute a breakthrough, anything short of that will constitute a failure."

Die ersten Tage waren ansonsten direkt von einem Dämpfer begleitet: Es gab juristischen Hickhack um die Frage, ob ein bestimmtes Thema im Bereich des Technologietransfers zurecht auf die agenda gesetzt wurde oder nur weil einige Länder nicht richtig den Topic verstanden haben oder einfach nicht aufgepasst haben. Nach langen Diskussionen und Klärung durch den UN Rechtsberater ist das ganze nun wohl durch.

Es ist ansonsten voll hier. Abgesehen von den Klimaverhandlungen in Nairobi letztes Jahr, die eher als Zwischenverhandlungen galten, (noch dazu in der Wahrnehmung vieler Akteure auf einem "Lost Continent"), ist es in den letzten Jahren auf den Klimaverhandlungen voller und voller geworden. Ein Plakat im NGO-Verbindungsbüro der UN verdeutlicht das sehr eindrücklich: Kleine Menschen verdeutlichen die Anzahl der Teilnehmer, die pro COP (Conference of the Party) erscheien sind. Schon auf dem Punkt "Montreal COP11" stand ein Riese. Für Bail wird es wohl nach oben verlängert werden: Ursprünglich wurden 10.000 Teilnehmer angekündigt, aber jetzt kursieren in den Korridoren Zahlen von bis zu 17.000. Der Computerraum ist permanent belegt, aber auch die Ausweichplätze für Laptops sind belagert.

Klar ist hier zu Anfang der Verhandlungen Australiens Ratifizierung ein ganz starkes Thema gewesen. Nur wenige Stunden nach seiner Amtseinführung hat der neu gewählte australische Regierungschef als erste Amtshandlung seiner Regierung. Als die australische Delegation im UN Plenum die Ratifizierung des Protokolls ankündigte gab es spontanen Applaus aus den Reihen. Es gibt damit nur noch zwei Staaaten die zu den industrialisierten Ländern gezählt werden, die so zum Bündnis der Non-Kyoto-Untertstützer gehören. Das eine ist Lichtenstein. In dem anderen fahren noch mehr dicke Leute dicke, ineffiziente Autos. Australiens Premier plant wohl, hier in Bali zu erscheinen, ein weiteres starkes Symbol. Es wird spekuliert ob er vor Ort in einer Art Zeremonie ein formales Dokument dem UN Generalsekretär Ban Ki-moon übergibt.

Doch es nicht alles Sonnenschein: Im Umfeld von Zwischenverhandlungen ("AWG" - Ad hoc Working Group) in August in Wien wurde ein erster Rahmen für die nach Bali und durch das Bali-Mandat einsetzenden Verhandlungen genannt, innerhalb dessen bis 2020 die Industrieländer ihre jährlichen Emissionen reduzieren sollten. 25-40 Prozent weniger als im Jahr 1990. Die Vorgabe wird von vielen Ländern unterstützt, allerdings nicht von den USA, Kanada und Japan. Australien hätte früher gut in eine solche Koalition der Nicht-Willigen hineingepasst. Und jetzt? Bisher kein Wort dazu von der australischen Delegation, bei der noch nicht klar ist, wie ihr Verhandlungsteam - ursprünglich von dem nun abgewählten Expremierminister Howard eingesetzt und seit 11 Jahren wenig konstruktiv in den UN-Klimaverhandlungen aktiv - nun agieren wird.

Aber es gibt schon noch weitere Länder, die zum Lager der unsicheren Kadetten gehören oder für ein Bündnis zur Untermininierung eines Kyoto-Protokolls taugen: Japan, Kanada, Russland, Indien, China. Zu den letzteren beiden hat Presseberichten zufolge die Bush-Administration im Vorfeld des Klimagipfels Kontakt aufgenommen: Sondierung einer gemeinsame negativen Haltung hinsichtlich von Emissionsobergrenzen für Treibhausgase. Ob sich hier aber Bündnistreue herstellen lässt ist unklar: China machte zu Beginn der Verhandlungen einen bemerkenswerten Vorschlag: Eine Arbeitsgruppe um Reduktionsziele für industriealisierte Staaten zu verhandeln, die nicht das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben, im Rahmen von - na was? - , nun von 25-40% in 2020 in Bezug auf 1990.

Die USA betonten im Plenum zu den Vorverhandlungen in Bezug auf Fortsetzung des Kyoto-Protokolls, daß sie sich konstruktiv verhalten würden. Dafür durfte man am Dienstag dann auch vernehmen, daß einer der Seniorverhandler nocheinmal betonte, daß er im Gegensatz zu den EU-Staaten derzeit eine Diskussion und Festlkegung auf verpflichtende Emissionsredutkionen ablehnt

"We still refuse to have a commitment on mandatory emissions cut. At the moment, we wish for a firm dedcission in a larger process, and we are ready for a discussion in the next two years (...) Perhaps then there would be elements for a mandatory process, but we do not wish to discuss this now." (Halan Watson)

Von Kanada gibt es ein bizarre Wortmeldung. Der Umweltminister verkündete zuhause, daß ein globaler durchschnittlicher Temperaturanstieg um 2 Grad unakzeptabel ist. Damit verbreitet sich die in europäischen Kreisen forcierte Formulierung "2 Grad Limit" nun doch auch auf dem nordamerikanischen Subkontinent. Bisher hörte ich von US-Amerikaner oft: "Leute hier kennt kein Mensch diese Redeweise von 2 Grad. Benutzt eine andere Sprache!". In Montreal haben mir das Kanadier entgegen gehalten. Das scheint sich zu wohl drehen. Allerdings fragen die NGOs zurecht, wie solche frommen Sätze aus Kanada mit der miserablen Klimapolitik in Einklang zu bringen sind und den abstrusen Selbsterlaubnissen der konservativen Regierung, zukünftig in ganz neuen Dimensionen CO2 in die Athmosphäre zu blasen. Und sie fragen, wie das das zur Verlautbarung Kanadas in einem Verhandlungskommittee dieser Tage paßt, daß einige industrialisierten Staaten von verbindlichen Emissionsziele freigestellt werden sollten (ob man da wohl an nordamerikanischen Staaten denkt?)?

Dann gibt es auch noch den "Fossil of the day". Damit werden von den Umweltorganisationen Verhandlungspartreien ausgezeichnet, die sich als echte Fossilien im Verhandlungsprozess hervortun: Dinosaurier und Kohleblöcke zugleich. Saudi Arabien hat sich direkt verdient gemacht mit der Wiederholung seiner Forderung, daß "unintended consequences of mitigation should be compensated for as well as the intended ones". Das meint wie in der Vergangenheit, daß Saudi Arabien der Meinung ist, daß es Kompensationen erhalten soll, wenn durch Klimaschutzmaßnahmen der Verbrauch von Erdöl und damit der Profit der erdölfördernden Länder zurückgeht. Japan war auch dabei: Man übt sich wieder darin, sich im wiederspruch zum Durchbruch den Kyoto vor mehr als einem Jahrzehnt darstellte für ein Regime ohne Emissionsreduktionen einzusetzen. Kanada bekam auch einen: für seinen Spruch über die Emissionsziele.

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