Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Das Amüsement derTrostlosigkeit

Atemberaubende Schönheit und Trostlosigkeit liegen hier nah beieinander.

Die Tage war ich mit einem Freund den Nachtbetrieb auf einer der Animiermeilen am erkunden, in Kuta direkt am Strand. Natürlich wird man aufdringlich von Männern mit schlechten Zähnen angesprochen, die einem erst ein Taxi anbieten, dann Drogen und schließlich "something other?" - gemeint waren die beiden jungen, hübschen Frauen, die in knappen Shorts auf einer Strandbank saßen. Ich habe seit 10 Stunden nichts gegessen und mein Streben nach schneller Erlösung richtet sich entsprechend auf ein anderes Objekt der Begierde. Es ist schwer nicht genervt zu reagieren, um allen Beteilgten die Würde zu bewahren.
Die Diskotheken und Bars, die wir besichtigen wollten, waren leer. Die Nebensaison herrscht, Regierungskonferenz hin- oder her. Auffällig viel kräftiges männliches Personal vor jedem der Clubs, die alle ihre Fassade zum Strand geöffnet hatten. Attraktive Bedienungen, die einladen die leeren Hallen zu besichtigen und die Trögheit mit Standard-Repertoire des Barkeepers zu ersticken. Das fehlenden Leben wird durch das ohrenbetäubend laute Wummern der Lausprechern kompensiert, um so dem Meer nur noch eindringlicher die Einsamkeit des Platzes zu demonstrieren. Wir gehen weiter, um eine Auswahl zu haben, vor allem suchen wir wie gesagt einen Ort, der Mahlzeiten offeriert. Die beiden Frauen von vorhin schlendern vorbei, schauen herüber, gelangen zu ihrem Motorrad und nesteln eine Viertelstunde an Helm und Sitzen herum. Der Abend sieht nicht gut für sie aus, und die Gewissheit scheint sich ihnen aufzudrängen, wiue uns die schwere feuchte Luft. Eine Australiern, wohl engagiert um die Besucher des wichtigsten Herkunftslandes für die eigene Lokatiuon zu gewinnen, hat Mitleid mit unserem Hunger und empfiehlt uns eine Pizzaria in der entgegen gesetzten Richtung. Wir kehren um. Ein freundliches dezentes Kopfschütteln macht auch den beiden Motorradfahrerinnen deutlich, daß wir wirklich, ohne Zweifel für ihr Anliegen nicht hilfreich sind. Wir finden tatsächlich als einziges Restaurant, das zu später Nachtstunde noch Essen anbietet, eine Pizzaria.Wir sind spät dran, also warten schließlich 7 Kellner darauf, daß wir und eine kleine weitere Gruppe an Touristen ihr Mahl beenden. Tun wir, kehren aus Dankbarkeit nocheinmal zur Australierin zurück, um ihren Umsatz in der nächsten halben Stunde zu verdoppeln.

Wir beschließen, uns den Abend nicht in einem deprimierten Zustand enden zu lassen. Ein Nobelclub wird von vielen empfohlen. Der Taxifahrer meint auf dem Weg dahin, uns unbedingt noch Begleitung organisieren zu müssen, "because the ladies there are to expensive". Wir kommen an, müssen wieder eine Sicherheitsprüfung über uns ergehen lassen - Ergebnis der Terroranschläge in Bali, die vor einigen Jahren Diskotheken und Clubs trafen - und landen tatsächlich in einer sehr eleganten großzügig mit Springbrunnen und Hallen eingerichten Bar am Meer. "Weltstandard", sicher: ein Ort, wie er für den Geschmack der internationalen liberalen, wohlhabenden Mittelschicht überall auf dem Globus erschaffen werden kann und auch vielfältig erschaffen wurde. Dezentes Licht, grüner Innenhof, die Inneneinrichtung ein Spiel mit Naturmaterialen und modernen Gegenständen. In der Hand feine süße Cocktails, die man auf Liegen aus rotem Kunstleder zu sich nimmt aus, schaut auf den Ozean. Die chill-out-music kann nur schemenhaft im Hintergrund wahrgenommen werden, ebenso die vereinzelten Ladies in elegantem Schwarz, die "to expensive" sind. Das Verhalten der bärbeissigen, tätowierten Glatzköpfe in ihrer Begleitung würde man bei uns eher als billig ansehen, aber sie dominerien nicht die Szenerie. Das tun entspannte junge Menschen beiderlei Geschlechts, deren Schuhwerk und strahlendweißes Lächeln bereits ihren Status anzeigt.

Wir bleiben eine Stunde und schauen in die Brandung, deren zottelige Pracht von einem halben Dutzend intensiven Strahlern von jeder verunreinigendem Schatten gestriegelt wurde.

Am nächsten Tag hören wir, daß es in der balinesischen Tradition unüblich ist, das Meer mit Licht zu traktieren. Die Strände sollen dunkel, die Strandbeleuchgtung zurückhaltend bleiben, damit die Dämonen nicht den Weg aus dem Wasser finden.

Trackback URL:
http://axonas.twoday.net/stories/4517104/modTrackback

Praxis der Aphrodisia

Spiegel

Herzlich willkommen. Sie sind nicht angemeldet. Sie können dennoch einen Kommentar abgeben.

Die Startseite finden Sie hier.


Kontakt und RSS

Sie erreichen mich über diese Emailadresse.


Creative Commons License

kostenloser Counter


Neue Feeds!

Zeigt den Feed an.


Translation Google:

See this page in English Voir cette page en francais