Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Berührung in der Love-Bar

Cactus bar heißt ein Tanztheater der Choreographin Stephanie Thiersch (MOUVOIR), das sich auf sehr interessante Weise die Erotik hinter, mit und anstatt der Sexualisierung und Pornographierung unseres alltäglichen Welt beschäftigt. Ich hatte das Vergnügen, die letzte Kölner Aufführung für das Jahr 2007 zu besuchen und mochte den Umgang mit den Klischees und den Mut, Lust und Leidenschaft tragisch, bestialisch-grausam, vergeblich, unfreiwllig und freiwillig komisch darzustellen. Allerdings scheint mir die Interpretation dieses Kritikers dann doch zu pessimistisch, denn gab auch eine sehr feine Art, wie ganz berührende Formen von Nähe dargestellt wurden, kleine Gesten und unscheinbaren Bewegungen, die einem ans Herz krochen. Der Abschlussapplaus in dem kleinen Theater schien übrigens nicht enden zu wollen.

Ich lese gerade MacIntyres Kritik an Herbert Marcuse und es ist wohl ohne Zweifel plausibel, daß bei der Erotisierung unseres Lebens, wie sie seit der surrealistischen Avantgarde und der psychoanalytischen Spießerkritik (oder seit de Sade?) herbeigesehnt wurde, ein Fehlkalkulation aufgetreten ist. Auch wenn Foucault was anderes im Blick hatte, die Enddiagnose stimmt: nix mit Revolution durch Erotisierung. Nicht nur die Revolution der Erotik ging uns flöten, sondern gleich auch noch die Erotik der Revolution. Durch das Lösen von Fesseln wird das Leben nur wenig besser, wenn man nicht weiß, wie man sein Leben gestalten kann. Das ist jetzt aber nicht die Einleitung zum großen Lamentieren über die Sinnlosigkeit der Libertinage und ein Jammern, dass wir doch alle wieder in die heimeligen Welt der Ehehygiene der 50er zurückkehren sollten. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass eine libertäre Lebensweise dann eine Chance hat, wenn sie in Gemeinschaften gelebt wird, die durch Fertigkeiten, Riten, Sitten und Institutionen die Lüste und den Leidenschaft Distanz, Geheimnis und Feingefühl geben kann.

Zurück zur Cactus Bar: Die Tänzerin, die in dem Youtube-Video zu sehen ist, ist Augustina Sario und man sollte vielleicht gar nicht viele Worte über sie verlieren, wenn man ihre Präsenz - gerade im Umgang mit Klischees - und Spielfreude wirken lassen will.



(Direktlink)

Im Pumpenhaus in Münster findet jeweils am Freitag und Samtag, den 25./26. Januar eine Aufführung statt.

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Praxis der Aphrodisia

Spiegel

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