Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

"Man beutet keine Natur aus, die zu einem spricht"

"Man beutet keine Natur aus, die zu einem spricht." Einer schöner pointierter Satz. Dieser Satz von Hans Peter Duerr hat entweder eine empirische oder eine normative Stossrichtung (oder beides gemeinsam).
  • Ist es tatsächlich so, dass Kulturen oder Menschen, zu denen die Natur spricht, diese nicht ausbeuten? Man mag dies angesichts des aggressiven Raubbaus, den manche indigene Völker an der Natur verübt haben, bezweifeln.
  • Und ist es tatsächlich so, dass man im Sinne einer diskurstheoretischen Begründung der Ethik, nicht mit der Natur, sofern sie ein Diskurspartner ist, nicht in ein herschaftsorientiertes Verhältnis treten darf, bei Strafe eines rationalen Widerspruchs?
Was meint die Aussage, dass die Natur mit einem spricht? Am plausibelsten scheint mir die Interpretation,dass in verschiedenen Kulturen die Klasse desjenigen, was unter den Begriff "Person" zusammengefasst wird, weiter ist als im beherrschenden christlich-abendländischen Weltbild. Das meint, dass in manchen Kulturen Entitäten, die bei uns als "Sache" bezeichnet werden, dort als handelnde "Personen" behandelt werden, mit entsprechenden Interaktionsformen. So wird eine Linde, der Venusberg, ein Stein, eine Heckenrose, der Mars, ein Schwert oder ein Büffel zu einem Kommunikations- oder Verhandlungspartner. Und daraus ergeben sich ersteinmal eine Vielzahl an ethischen Begründungsszenerien auch jenseits der Diskursethik.

Interessant bleibt dann noch die Frage, welche realen Konsequenzen der praktischen und politischen Ethik eine solche Einstellung hat.

"Man beutet keine Natur aus, die zu einem spricht. Doch eine Natur, von der man glaubt, wie es zwei inzwischen berühmt gewordene Ethnozentriker des 19. Jahrhunderts ausgedrückt haben, dass sie »den Menschen anfangs als eine durchaus fremde, allmächtige und anagreifbare Macht gegenübertritt, zu der sich die Menschen rein tierisch verhalten, von der sie sich imponieren lassen, wie das Vieh«, eine solche Natur hat keine Sprache mehr, sie ist nur noch Material.
Und man beutet schließlich keine Menschen aus, die man versteht. So verriegelt man sich in der Fremde in noch viel stärkerem Maße als zu Hause in seiner »Subjektivität« und man verfremdet das fremde, indem man die Schotten des Vertrauten schließt."
(Hans Peter Duerr: "Traumzeit - über die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation"; Frankfurt a,M. 1985; S.149)

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