Kritik am Kommunitarismus 1
Eine knappe Kritik von Chester Brown an dem Unsinn, wie rechte Theoretiker den Kommunitarismus instrumentalisieren:
"Der Schwachpunkt des Kommunitarismus liegt darin, daß er sich zum großen Teil auf eine völkische Argumentation stützt.(97) Er suggeriert eine Homogenität, die gegenüber der demographischen und politischen Wirklichkeit nicht haltbar ist. Es ist offensichtlich, daß politische und ethnische Gemeinschaften in der überwiegenden Mehrheit der Staaten einfach nicht zusammenfallen. Die territorialen Realitäten von politischen Staaten decken sich zudem oft nicht mit den Grenzen ethnischer Nationen (oder Volksgemeinschaften) &emdash; sie sind nicht inhaltsgleich, sondern voneinander getrennt, und geraten oft miteinander in Konflikt.(98)
Heute lassen sich kollektive Identitäten nicht mehr so einfach durch den Rekurs auf eine solche gemeinsame Herkunft legitimieren.(99) Habermas hat an den Beispielen multikultureller Gesellschaften wie der Schweiz und den USA erkannt, daß sich eine politische Kultur, in der die Verfassungsgrundsätze Wurzeln schlagen können, keineswegs auf eine allen Staatsbürgern gemeinsame ethnische, sprachliche und kulturelle Herkunft stützen muß. So braucht die demokratische Staatsbürgerschaft nicht in einer völkischen Identität verwurzelt zu sein.
Darüber hinaus ist der ethnisch-homogene und nicht-politische Begriff des Volkes historisch gesehen problematisch, da die Nation ebensowenig ein Naturzustand ist wie die oft willkürlichen Grenzen eines Territorialstaats.(100) Ein anderer Schwachpunkt liegt darin, daß der Kommunitarismus nur das Fortbestehen einer bestimmten völkischen und kulturellen Lebensweise fördert.(101) So sieht der Kommunitarismus keine gesellschaftliche Änderung vor, sondern er sieht seine Rolle darin, bereits vorhandene Traditionen zu bestätigen."
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Fußnoten:
97 Heinz Kleger, 'Transnationale Staatsbürgerschaft oder: Lässt sich Staatsbürgerschaft entnationalisieren?' (1994) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie S. 85
98 Veit Bader, 'Radical Democracy, Community and Justice: Or, What Is Wrong with Communitarianism?' (1995) 23 Political Theory, S. 217.
99 Walter Lesch, 'Staatsbürgerschaft und Einwanderungspolitik' (1995) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, S. 109; Für näheres über diese Debatte siehe 'Democratric Citizenship and the Political Community' in Chantal Mouffe (Hrsg), Dimensions of Radical Democracy (London: Verso, 1992), 226&endash;8.
100 Siehe unten Teil III(A)(2)(b).
101 Michael Walzer, 'The Civil Society Argument' in Chantal Mouffe (Hrsg), Dimensions of Radical Democracy (London: Verso, 1992) 89, S. 97; auch Heinz Kleger, 'Transnationale Staatsbürgerschaft oder: Lässt sich Staatsbürgerschaft entnationalisieren?' (1994) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, S.86.
Chester Brown: Die Entwicklung der Bürgerschaft der Europäischen Union: Verfassungspatriotismus als Grundlage einer europäischen politischen Gemeinschaft?
Diese Kritik am Kommunitarismus trifft jedoch nicht MacInytre, denn für ihn wäre die Nation keine sinnvolle Gemeinschaft. Der Begriff der Gemeinschaft mit seinem aristotelischen Background (Polis!) lässt sich überhaupt nicht sinnvoll verwenden im Szenario des Nationalismus. Was natürlich nicht heisst, dass Nationalisten und Völkische es nicht lieben, von "Volksgemeinschaft" etc. zu faseln.
"Der Schwachpunkt des Kommunitarismus liegt darin, daß er sich zum großen Teil auf eine völkische Argumentation stützt.(97) Er suggeriert eine Homogenität, die gegenüber der demographischen und politischen Wirklichkeit nicht haltbar ist. Es ist offensichtlich, daß politische und ethnische Gemeinschaften in der überwiegenden Mehrheit der Staaten einfach nicht zusammenfallen. Die territorialen Realitäten von politischen Staaten decken sich zudem oft nicht mit den Grenzen ethnischer Nationen (oder Volksgemeinschaften) &emdash; sie sind nicht inhaltsgleich, sondern voneinander getrennt, und geraten oft miteinander in Konflikt.(98)
Heute lassen sich kollektive Identitäten nicht mehr so einfach durch den Rekurs auf eine solche gemeinsame Herkunft legitimieren.(99) Habermas hat an den Beispielen multikultureller Gesellschaften wie der Schweiz und den USA erkannt, daß sich eine politische Kultur, in der die Verfassungsgrundsätze Wurzeln schlagen können, keineswegs auf eine allen Staatsbürgern gemeinsame ethnische, sprachliche und kulturelle Herkunft stützen muß. So braucht die demokratische Staatsbürgerschaft nicht in einer völkischen Identität verwurzelt zu sein.
Darüber hinaus ist der ethnisch-homogene und nicht-politische Begriff des Volkes historisch gesehen problematisch, da die Nation ebensowenig ein Naturzustand ist wie die oft willkürlichen Grenzen eines Territorialstaats.(100) Ein anderer Schwachpunkt liegt darin, daß der Kommunitarismus nur das Fortbestehen einer bestimmten völkischen und kulturellen Lebensweise fördert.(101) So sieht der Kommunitarismus keine gesellschaftliche Änderung vor, sondern er sieht seine Rolle darin, bereits vorhandene Traditionen zu bestätigen."
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Fußnoten:
97 Heinz Kleger, 'Transnationale Staatsbürgerschaft oder: Lässt sich Staatsbürgerschaft entnationalisieren?' (1994) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie S. 85
98 Veit Bader, 'Radical Democracy, Community and Justice: Or, What Is Wrong with Communitarianism?' (1995) 23 Political Theory, S. 217.
99 Walter Lesch, 'Staatsbürgerschaft und Einwanderungspolitik' (1995) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, S. 109; Für näheres über diese Debatte siehe 'Democratric Citizenship and the Political Community' in Chantal Mouffe (Hrsg), Dimensions of Radical Democracy (London: Verso, 1992), 226&endash;8.
100 Siehe unten Teil III(A)(2)(b).
101 Michael Walzer, 'The Civil Society Argument' in Chantal Mouffe (Hrsg), Dimensions of Radical Democracy (London: Verso, 1992) 89, S. 97; auch Heinz Kleger, 'Transnationale Staatsbürgerschaft oder: Lässt sich Staatsbürgerschaft entnationalisieren?' (1994) 62 Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, S.86.
Chester Brown: Die Entwicklung der Bürgerschaft der Europäischen Union: Verfassungspatriotismus als Grundlage einer europäischen politischen Gemeinschaft?
Diese Kritik am Kommunitarismus trifft jedoch nicht MacInytre, denn für ihn wäre die Nation keine sinnvolle Gemeinschaft. Der Begriff der Gemeinschaft mit seinem aristotelischen Background (Polis!) lässt sich überhaupt nicht sinnvoll verwenden im Szenario des Nationalismus. Was natürlich nicht heisst, dass Nationalisten und Völkische es nicht lieben, von "Volksgemeinschaft" etc. zu faseln.
Julio Lambing - Sa, Jan 29, 2005 - Zettelkasten: Traditionen







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