Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Haben Elfen, Trolle, Steine oder Bäume Rechte? (2)

Harte behandelt eigentlich zwei zu differenzierende Aspekte des Themas:

1. Haben Wesen, die für viele Menschen nicht existieren, sondern lediglich irreale Illusionen sind (also z.B. Trolle, Feen, der verstorbene King Arthur etc.) moralische Rechte?

2. Haben Wesen, die für viele Menschen nur Dinge sind (also „heilige Plätze“, Bäume, Steine, Berge), moralische Rechte?

Seine Argumentation zu Ersterem lautet:

“Newgrange, which was once the numinous abode of the sidhe, has now been reworked as an interpretative centre for celebrating the deep historical roots of the Irish nation (Ronayne 1997). This is not progress. What is so real about the Irish national interest, compared to Aengus Og and his hundred harpers?(…) Limited companies can go to law over intellectual property - invisible beings fighting over an intangible thing - while Puck and Hob stand non-suited outside the door.”


Die Frage, ob Elfen Rechte haben, entspricht also am ehesten noch jenen Fragen, ob bestimmten theoretischen Gegenständen im quineschen Sinne ein "Recht" zugesprochen wird, obwohl die Existenz dieser Gegenstände von anderen bestritten wird. Dazu gehören ausschließlich theoretische Gegenstände aus dem soziologischen und politischen Vokabular. Das Beispiel Hartes bezüglich der Unternehmen ist natürlich nicht wirklich treffend, denn die Existenz solcher theoretischen Entitäten wie Unternehmen wird im modernen kapitalistischen Gesellschaften allgemein anerkannt – und die Auswirkungen der Globalisierung sorgen dafür, dass dies auch in so gut wie jeder anderen derzeit existierenden Kultur der Fall ist. Ein besseres Beispiel wäre unter Umständen vielleicht ein Staat der von einigen nicht anerkannt wird. (Manische Esoterikjäger – die ja in der Regel nicht für ihre Freude am Denken bekannt sind - zücken vermutlich schon ihren Stift: Da werden hier doch Elfen mit nichtanerkannten Staaten in Verbindung gebracht. „Irrationalismus“ raunt es durchs Gehirn.)

Aber auch dieser Vergleich trifft es selbstverständlich nicht wirklich - da die komplexen kulturellen Mechanismen zur Konstituierung von Staaten offenkundig von anderer Art sind wie die zur Konstituierung der Wahrnehmung von Elfen. (Jetzt atmet das Gehirn des Eso-Jägers nur bedingt auf. Die Sauerstoffzufuhr ist allein schon deshalb gehemmt, weil man überhaupt über Elfen redet.)

Hartes Argumentation zum zweiten Punkt:

“The controversy between those who accept that the supernatural has rights, and those who focus exclusively on the human, came to a head not long ago in the Hebrides. The backbone of the island of South Harris is West Stocklett Hill, the Hag Mountain, in the form of a giant woman reclining in sleep or death. The Hag has a guardian in the geomantic researcher Jill Smith - ‘for me, the mountain is one of the ancient Dreamtime ancestors, the Grandmother who rose from the magma at Creation’ (Smith, Billingsley and Dilworth 1996).

In 1995 the work of Creation was revised; a hole was carved at the location of the Grandmother’s navel by the artist Steve Dilworth, in order to set in a sculpture of his own. Not many people saw it in situ, but the installation was afterwards shown in a Stornoway art gallery. Smith doubled up in pain at the violation of the mountain. Dilworth was puzzled to encounter a negative response - ‘I see it as a way of acknowledging our connection with the earth we stand on’. For Smith, the mountain is a person, and has rights. For Dilworth, the mountain is a canvas.

Hardly surprising, then, that the controversy should have flared up over a female figure. There was a time when a woman, like a cat or a stone circle, had no legal personality. A man might violate her without committing an offence, unless he infringed the rights that some other man held in her. The difference between women and mountains is simply that the former have won the right to speak for themselves, while the latter are dependant on trustees or guardians - in this case Jill Smith, who is currently struggling to prevent Redlands Aggregates from further mutilation of the holy hill.”


Hartes stellt hier eine Analogie zu einer tatsächlich frappierenden Änderung unserer moralischen Ansichten her. Bekanntlich gab es Zeiten und Kulturen, in deren Kontinuität sich das „aufgeklärte Europa“ sieht, in denen Frauen nicht nur moralische Rechte streitig gemacht wurden, sondern auch ihr Personenstatus negiert wurde. Und bei Tieren ist der gesellschaftliche Mainstream zwar mittlerweile bereit, sie nicht mehr als „Sache“ zu sehen, sogar ihnen unter Umständen auch moralische Rechte zuzusprechen, aber einen Personenstatus sprechen ihnen in der Regel wenn, dann nur jene zu, die Haustiere haben und durch die Erfahrung dieses Nahverhältnis mit einem tierischen Bewusstsein zu einer Änderung ihres begrifflichen Kategorialssystems bereit sind.

Hartes ruft dazu auf, eine solche Ausweitung unserer moralischen Horizonts konsequent weiterzutreiben. Das fällt natürlich einer Menge Leute schwer, für die entweder in guter Tradition des (dialektischen) Materialismus Natur ein zu bearbeitendes Material ist oder die wie Peter Singer allenfalls Lebewesen eine moralische Behandlung zugestehen können, die über ein hinreichendes Nervensystem verfügen.

Trackback URL:
http://axonas.twoday.net/stories/519431/modTrackback

Praxis der Aphrodisia

Spiegel

Herzlich willkommen. Sie sind nicht angemeldet. Sie können dennoch einen Kommentar abgeben.

Die Startseite finden Sie hier.


Kontakt und RSS

Sie erreichen mich über diese Emailadresse.


Creative Commons License

kostenloser Counter


Neue Feeds!

Zeigt den Feed an.


Translation Google:

See this page in English Voir cette page en francais