Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Personalisierung in germanischen Kontext

Das Phänomen der naturreligiösen Personalisierung (hier, hier und hier). Die Mechanismen, mittels denen eine Kultur ein Wesen/Ding zur Person macht, auch die Gründe, die sie implizit oder explizit dafür hat, sind von Kultur zur Kultur verschieden.

Tipps von jemandem, der sich in der germanischen Kultur gut auskennt:

"- kennzeichnend für »das germanische Weltbild« (es gelten die üblichen Einschränkungen etc.) ist die Sprachfigur des »unpersönlichen agens«, die grundsätzlich etwas bzw. besser jemanden auch und gerade bei Naturphänomenen am Werk sieht. Was existiert, drückt sich dadurch aus, dass es handelt (und wie es handelt, vgl. »heroische Ethik«), und was handelt, hat auch ein »Gesicht«."

Er bezieht sich dabei auf Ausdrücke wie „es regnet“. Würde heissen, dass alles was nicht in irgendeiner Form bei den Germanen handelt, nicht existiert?
Das Prozesshafte, das sowohl den Menschen als auch Naturphänomene durchzieht, scheint mir ebenfalls interessant. Erinnert mich an Feyerabends Bild des homerischen Krieger, der wie eine Puppe von Gefühlen (und ähnlichem, was heute sogenannte "innere Zustände" sind) durchzogen wird.

"- Gut belegt ist die »Personalisierung« von »Gegenständen« durch Verleihung eines Eigennamens, der »Gegenstand« gilt dann auch als mit Eigenschaften ausgestattet, die ein reiner »Gegenstand« nicht hat.

- Das Kriterium für das »Verleihen des Gesichts« (mein improvisierter Ausdruck für die Konstituierung des Gegenübers als Quasi-Person) ist die »Nähe« zum Verband, als dessen Bestandteil die oder der einzelne sich sieht. Wie ich sagte: wären für gewissen Philosophen alle gleichen großen Bäume gleich, bekam bei »den Germanen« derjenige große Baum ein »Gesicht«, mit dem man zu tun hatte."


Ob Wesen/Dinge, die im heutigen Leben nur Gegenstände sind (z.B. ein Schwert oder ein Baum), bei den Germanen Personen werden konnten, ist seiner Einschätzung nach also abhängig davon, wie stark man mit dem jeweiligen Wesen/Ding zu tun hatte. (Psychologen würden hier eine "Projektion" wittern.)

"- Der eigene Verband ist gewissermaßen Fokus und Angelpunkt des Denkens: was soll/muss ich tun, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen und möglichst keinen Schaden auf uns zu ziehen? Das ist die Ethik des Havamal, wobei dieses spätzeitlich ist und m.E. der Einzelne stärker in den Vordergrund tritt, als das etliche Jahrhunderte früher der Fall gewesen wäre - Island war ein Ort für Neusiedler, die Verhältnisse sind nicht die der »Völkerwanderung« oder gar die der taciteischen Zeit.

- Hieraus erklärt sich der Umgang mit der Natur: was muß ich tun bezüglich des Waldes, der Wölfe, der Landgeister, der Götter etc, um obigem Paradigma zu entsprechen? Ich nehme an, dass dem Wald, den Wölfen, den Geistern etc. durchaus das selbe Denken aufkonstituiert wurde. Die Landvaettir machen sich davon, wenn sie nicht gebührend behandelt werden (gehen also von ihrer kollektiven Interessenlage aus: sie wollen nicht erschreckt werden, sie wollen, dass man würdigt, dass sie zum Wohl des Verbandes beitragen, wie das der Verband auch wollen würde, wenn er zu jemandes Wohl beiträgt).

- »Nähe« hat in diesem Sinne nichts mit Geographie zu tun. Ein und dieselben Waräger waren in der Lage, stummen Tauschhandel mit subarktischen Wildbeutern zu praktizieren und mit dem Kaiser in Konstantinopel über dort ansässige Kartelle zu verhandeln. In jedem Fall wird auf die jeweils dort herrschenden Gegegebenheiten durch entsprechendes Vorgehen reagiert. Das wird man auch auf Komponenten der »Natur« übertragen dürfen."

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