Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Charles Taylors Gedanken über den Karneval 2 (Randbemerkung)

Nun ist neuheidnische Apologetik ausgesprochen langweilig. Umkehrfeste wie sie Taylor anspricht finden ohnehin nicht im Neuheidentum statt - zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. Unter einem Fest versteht man hier entweder die neopagan eingekitschte Version eines Pfarrfestes (Bier und Würstchen dürfen nicht fehlen; abends spielt das Liedermacher-Duo) oder das ausgelutschte Revival eines Hippietreffens (Rastalocken und schwarzer Afghane dürfen nicht fehlen, nachmittags spielt das Kasperltheater).

Gerade das Vorbild christlicher Events (1) hat es den Neuheiden ja angetan: Die Riten, die bei ihnen zelebriert werden, sind schlechte Kopien christlicher Veranstaltungen. Sie schwanken zwischen einem beschwingten Ringelpitz ähnlich den Besinnungsfestchen der evangelischen Pfarrjugend oder einem Mumenschanz, der wahlweise auf altnordisch-germanisch oder keltisch-hexisch katholische Hochämter nachstellt. Wer nicht an Biertischen sitzt oder christliche Riten nachmacht, macht auf schamanisch und geht in die Schwitzhütte. Allerdings muss man bei letzterem wenigstens zugute halten, dass sich die Leute mal ausziehen - unter Neuheiden bis heute eine revolutionäre Tat.

Das gilt auch für andere Aspekte, die Taylor in der Erfahrung der ekstatischen communitas ausmacht: Vorstellungskraft, Spontaneität und Kreativität. Lässt man das kultische Primborium weg, das nur deswegen aufsehenerregend ist, weil es von Odin oder der weißen Büffelfrau anstatt von dem christlichen Gott handet, sind Neuheidenfeste wie gesagt biedere Veranstaltungen. Das gilt nicht nur für den neogermanische Flügel (definiere er sich nun rechts oder links), der seine muffigen Wertevorstellungen ohnehin aus den Germanenklischees des ausgehenden 19. Jahrhunderts bezieht. Auch das Personal der angeblich feministischen Hexenszene, der frömmelnden Wiccagruppen oder der lockeren Schwitzhüttenkultur hat mit wirklicher Ekstase und Grenzüberschreitung eher weniger was am Hut. Das Event-Repertoire des Neuheidentum gehört sicher nicht zu den Erben der von Taylor beschriebenen Gegenkultur.

(1) Ich habe nichts gegen christliche Feste, im Gegenteil ich mag sie. An den Kopien wiederum stört mich nicht, dass sie Kopien sind. Sondern dass das rituelle Plagiat sich als originär ausgibt und dennoch noch langweiliger ist als das Original.

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