Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

„Wenn die AAO sich verbreitet hätte“

"Wir haben gedacht, wir machen da ein Modell, und die ganze Welt könnte mal so werden, das ist ungefähr wie mit dem Kommunismus - das war auch mal als Modell und Gegenwelt gedacht, aber es war doch furchtbar, was daraus geworden ist. Also wenn das, was wir daraus gemacht hätten, sich verbreitet hätte, das wär noch ärger geworden als der Kommunismus."
(Toni Elisabeth Altenberg)

Andrea Gerk: " ‘Diktator, König, Kaiser oder sag einfach Otto’ – Die ‘Aktions-Analytische Organisation’ des Otto Mühl“; in: Joachim Meißner, Dorothee Meyer-Kahrweg u. Hans Sarkowicz (Hrsg.): "Gelebte Utopien Alternative Lebensentwürfe" Leipzig 2001; S. 334


Eine Bemerkung, die man bei jedem Projekt der Gemeinschaftsbewegung, bei jeder spirituellen Siedlung und jedem Ökodorf, bei jeder religiösen oder kulturellen Gruppe als Ausrichtungslinie für den utopischen Projektor verwenden kann. Die damaligen Verhältnisse in der Aktionsanalytischen Organisation (oder eben auf dem alten Friedrichshof) dienen seit mehr 25 Jahren als Warnung für die lebensreformerischen Projekte der Nachkriegszeit. Es kann nicht schaden, immer wieder die derzeitigen Zustände solcher Initiativen wie Tamera, Stamm Füssen, Damanhur, Kommune Niederkaufungen, Ökodorf Siebenlinden, Findhorn usw. vor den Strahler der Imagination zu spannen, um zu ahnen, was uns bei anderen Größendimensionen und weltweiter Verbreitung erwarten würde. Auch die Kontraste zwischen den unterschiedlichen Ansätzen untereinander und zur Mainstream-Gesellschaft sind dann deutlicher erkennbar.
MMarheinecke - Mo, Mai 16, 2005

"Stiftung Utopiatest"

Die Methode, sich bei diversen Alternativ-Dorf-Initiativen mit utopischer oder doch zumindest lebensreformerische bzw. "weltverbesserischer" Zielsetzung (von Findhorn bis Damanhur) nicht nur das Programm, sondern auch die Praxis anzusehen, und sich das Ganze dann nicht als Dorfgemeinschaft, sondern im "Großmaßstab" vorzustellen, ist ebenso nützlich wie durchweg desillusionierend. Anscheinend hatte Popper (leider) recht, als er so pauschal postulierte, jede Utopie hätte einen Zug ins Totalitäre. Selbst anscheinend geglückte Modelle, wie die Kibuzzim in Israel, selbst eher pragmatisch angelegte Alternativdörfer wie z. B. Klein Jasedow, bestehen den "stellen wir uns einen ganzen Staat so vor"-Test nicht - heraus kommen unweigerlich mehr oder weniger repressive Systeme, jedenfalls nichts, was in Hinblick auf die "Offenheit" der Gesellschaft, auf Demokratie oder der persönlichen Freiheit ernsthaft mit den (unbefriedigenden) derzeitigen europäischen Zuständen aufnehmen könnte. Nützlich - für die Gesamtgesellschaft - sind solche alternativen Gemeinschaften bestenfalls als Laborexperimente.
Julio Lambing - Mo, Mai 16, 2005

Ideologien versus Phantasie

Interessant, dass ausgerechnet ein wortreicher Verteidiger und Sympathisant der religiös-ideologischen Splittergruppierung „Nornirs Aett“, die selbst schon seit längerem in meinen kritischen Fokus gerutscht ist, sich hier zu Wort meldet. Normalerweise würde ich einen solchen Kommentar löschen, um keine unnötige Bühne zu bieten. Der Autor gehört zu jener Sorte von Apologeten, die die in ideologischen Milieus üblichen Methoden der Herabwürdigung von Kritikern verwenden (bei ihm z.B. die Charakterisierung von Kritikern mittels der Untermenschen-Bilderwelt von Tolkien, Einsatz von ressentiment-schürenden Klischees und diffuse Streuung „passender“ Informationen im Enthüllerduktus über das Privatleben vermeintlicher Gegner).

Ich lasse den Beitrag drin, weil er die Versuchung der Normierung selbst in vermeintlich "linken Zusammenhängen" illustriert. Das Problem ist meines Erachtens nicht die Utopie, wie es verbitterte Altlinke glauben, die auf das sozialistische/rousseauistische Politikverständnis gesetzt haben. (Für sie bedeutet die „konkrete Utopie“ im Gefolge der Neuen Sozialen Bewegungen, also die Alternative einer anderen Lebensweise in den lebensreformerischen Projekten, implizite Kritik an ihrer eigenen angepassten Daseinweise. Ihr Abwehrreflex ist verständlich) Das Problem ist die Ideologisierung der Utopie, ob sie nun in esoterischen Gruppierungen, fanatischen Kommunen oder in politischen Strömungen betrieben wird. Ansonsten hoffe ich, dass genügend kulturelle Milieus von bürgerlich bis grün-alternativ weiter auf die Kreativitiät und Phantasie setzten, anstatt sich von den neuen alten Blockwarten der Normalität die Innovationskraft nehmen zu lassen.

„Wenn die utopischen Oasen austrocknen, breitet sich eine Wüste von Banalität und Ratlosigkeit aus. Ich bleibe bei meiner These, dass die Selbstvergewisserung der Moderne nach wie vor von einem Aktualitätsbewusstsein angestachelt wird, in dem geschichtliches und utopisches Denken miteinander verschmolzen sind (...)
Die Utopiekritik, die von Hegel über Carl Schmitt bis auf unsere Tage das Menetekel des Jakobinismus an die Wand malt, denunziert zu Unrecht die angebliche unvermeidliche Verschwisterung der Utopie mit dem Terror – utopistisch ist die Verwechslung einer hochentwickelten kommunikativen Infrastuktur möglicher Lebensreformen mit einer bestimmten, im Singular auftretenden Totalität des gelungenen Lebens.“
(Jürgen Habermas)
jensscholz - Mo, Mai 16, 2005

Kibbuzim sind bitte was?

Martin, was soll das denn? Mach doch bitte zuerst mal Deine Hausaufgaben, bevor Du hier ärgerliche Behauptungen und Vergleiche aufstellst, die dir um die Ohren fliegen, sobald man auch nur die Oberfläche dieser dumpfen Pauschalisierung ankratzt.
Erklär mir doch mal bitte, wie Deiner Meinung nach die gefährliche Ideologie in den Kibbuzim aussieht und wo dort der Totalitarismus versteckt sein soll, den Du dort und überhaupt so schön pauschal in allen Weltbildern vermutest, die nicht Deinen Ansprüchen an Normkonformität genügen.
Julio Lambing - Mo, Mai 16, 2005

Kommt einer, kommen alle

Dies ist nicht der Platz für
- Anhänger obskurer germanentümelnder Eso-Gruppen, die nach bewährtem Muster im Internet sich wechselseitig Zuspruch zuschanzen,
- für Leute, die dezent schweigen, wenn antisemitische Kategorien mal nicht von rechten Suffköpfen, sondern von ihren linken Lieblingsstammtischschwätzern verwendet werden
- für Urheber von Beiträgen auf "Star Trek Philosophie"-Niveau.

Deswegen wurden hier auch entsprechende Beiträge gelöscht. Dies ist eine Arbeitsplattform für einen bestimmten Themenkreis. Ich empfehle Personen, die unter die oben genannte Kriterien fallen, doch schon von vorneherein einen Umweg um dieses Projekt zu machen. Zur Begründung fragen Sie einfach Ihren örtlichen Weltanschauungsbeauftragten.
MMarheinecke - Mi, Mai 18, 2005

Sorry, Jens, habe mich missverständlich ausgedrückt

Nein, die Kibbuzim halte ich für den weitgehend gelungenen Versuch, eine echten demokratischen Sozialismus mit konsequenter Gleichheit der Mitglieder und ebenso konsequenter Ablehnung des Privateigentums zu verwirklichen. Irgendwelche totalitäre Gefahren sehe ich in den real existierenden Kibbuzim nicht - im Gegenteil, ich finde sie toll.
Allerdings: damit ein Kibbuz funktioniert, muss er 1. relativ isoliert sein (Kibbuzim, die unmittelbar neben "normalen" Städten liegen, sind instabil, zumindest gehen sie von ihren radikal-sozialistischen Ansätzen ab) und 2. muss es eine "Außenwelt" geben, sprich die Möglichkeit für Menschen, die nicht mehr mit dem im Kibbuz-Leben zurechtkommen, ohne große Probleme ausszusteigen.
Wäre ganz Israel nach Kibbuz-Prinzipien organisiert, wären diese Bedingungen nicht mehr gegeben. Die Gleichheit, die sich in einer kleinen Freiwilligen-Gemeinschaft ohne weiteres durchsetzen läßt - könnte in einem Staat mit mehreren Millionen Einwohner wahrscheinlich nur noch durch Pressionen durchgesetzt werden.
jensscholz - Mi, Mai 18, 2005

und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Allgemeingültigkeit, der Anspruch auf die bessere Welt, wenn alle es so machen würden, das Negieren von Alternativen und der paranoide Hass auf jeden, der diese Weltsicht zu relativieren beginnt, da steckt die tatsächliche Gefahr von Ideologien. Und der Unterschied zur Utopie, denn Ideologie und Utopie sind genau deswegen völlig unterschiedliche Paar Schuhe.

Es kommt nicht von ungefähr, daß man Gruppierungen, die ideologisch agieren, daran erkennen kann, daß man nicht lose mit ihren Mitgliedern befreundet sein kann. Oder auch, daß "Aussteigen" immer nur mit einem konfliktreichen Bruch vonstatten geht, den Verlust aller Freundschaft in dieser Gruppe bedeutet und die Stabilität dadurch zurückgewonnen wird, daß lautstark der Verdacht geäußert wird, der Aussteiger sei von der bösen Außenwelt oder einem dort verortetem Gegner manipuliert worden. Oder daß Menschen und Aktionen diskreditiert und als Bedrohung dämonisiert werden, wenn sie nicht in die ideologisierte Weltsicht passen.

Was die Kibbuzim angeht: Die haben nie das Ziel gehabt, die Welt zu verbessern. Ja, es steckt eine Utopie darin - entstanden aus einer anderen Utopie (dem Zionismus) und einem wunderbaren religiösen Bild, dem Bestellen des gemeinsamen Landes als gutes Werk, das nichts Schlechtes hervorbringen kann. Deshalb sind sie auch nie Ideologisch geworden und sind daher auch so völlig unpassend. Ich kann gerne mal darüber referieren.

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