Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Fortuna

Sonntag, 24. Juni 2007

Vorsehung und Fatum


In Karl Löwiths Aufsatz über die Theologie der Historie, die das evolutionistische Geschichtsverständnis der Aufklärung mitgeprägt hat, (ein Vorläufer von "Weltgeschehen und Heilsgeschichte") findet sich ein kurzer Hinweis auf Augustinus Umgang mit Fatalismus in "De civitate Dei". Augustinus unterscheide in zwei unterschiedliche Fatalismen. Der eine basiere auf der Astrologie, der andere auf die Anerkennung einer übermächtigen Macht. Der letzte sei mit dem christlichen Glauben kompatibel, auch wenn die Bezeichung Schicksal unglücklich sei: sententiam teneat, linguam corrigat. "If fate means a supreme power not a our disposal which rules our destinies, then fate is comparable to providential divinity."(1) Hier findet eine interessante Umwandlung der mich interessierenden Göttin statt. Sie wird allmächtig, ihr ein Schnippchen zu schlagen und gegen sie zu gewinnen wie bei Perikles wies unmöglich. Wenn Machiavelli aus ihr wieder eine Frau macht, die man prügeln kann, ist das die Emanzipation der Aufklärung vom Christentum? (1) Karl Löwith: „The Theological Background of the Philosophy of History"; Social ...
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Samstag, 17. Februar 2007

Notwendigkeit in der Politik 3


Williams selbst glaubt, dass der Prozess einer Subtraktion (1), bei dem wir bei der "übernatürlichen Notwendigkeit" das Übernatürliche streichen, der erste entscheidende Schritt ist, um dieses Element der griechischen Kosmologie für uns nutzbar zu machen. Sich an das berühmte Diktum von Napoleon erinnernd, der gegenüber Goethe bemerkte (2), dass die Rolle des Schicksals, wie es uns die Tragödienschreiber schildern, heute von der Politik wahrgenommen werde, schlägt Williams vor, dass heutzutage die Gesellschaftsordnung und auch die politische Realität jene auf uns einwirkende Welt ist, die sich unseren Wünschen und unserer Sehnsucht nach umfassender Verständnis nicht fügt: "Damit soll allerdings nicht gesagt sein, dapß diese unpersönliche politische Realität jene stark absichtsvollen Züge annehmen kann - Züge, die dem Fatalismus Vorschub leisten -die die Welt im Kontext der Sophokleischen Tragödie manchmal annimmt. (...) Die relevante Analogie muß auf das bezogen werden, was ich oben als Stillosigkeit übernatürlichen Handelns bezeichnet habe; die soziale Realität kann ...
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Donnerstag, 15. Februar 2007

Notwendigkeit in der Politik 2


Für den Perikles, den uns Thykidides vorstellte, "gab es immerhin einen Moment, da er glaubte, man könne gegen die Umstände ein Spiel riskeiren, aber auch dieses Spiel können wir nur gewinnen, wenn die gegenseite ein paar dumme Züge macht". (1) Die gnome, praktische Intelligenz und empirsch-rationales Planen hilft dem Menschen, sein Geschick zumindest teilweise selbst zu bestimmen. Bei Euripides wiederum ist die Kraft der Notwendigkeit, die Handlungen eines umfassend vorausschauenden Akteurs verblasst, er führt uns die zermürbenden Effekte des blanken Zufalls vor Augen. Williams macht uns jedoch darauf aufmerksam, daß all diese Dichter, Denker und Schreiber sich von den Philosophen dadurch unterscheiden, daß sie in einem entscheidenden Sinn nicht versuchen, aus der Ordnung im Universum einen Sinn des Lebens abzulesen. Diese Griechen sind entgegen dem Klischee über primitive, prärationale Kulturen wesentlich weniger harmonistisch als hochangesehene Väter der Moderne. Das, was man einer heidnischen Weltsicht unterstellt, nämlich eine letztendlich sinnvolle Harmonie zwischen dem Kosmos, der Welt, der Vernunft, der Geschichte ...
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Sonntag, 11. Februar 2007

Notwendigkeit in der Politik 1


Niemand kann die Folgen des eigenen Handelns in aller Sicherheit und umfassenden Voraussicht abschätzen, und in diesem Sinne ist das politische Handeln soviel es sich auch versucht dem Handwerk einer planvollen Konstruktion unseres Lebens anzunähern, etwas prinzipiell riskantes: "Dies liegt nicht darin, daran, daß kein Menschliches Gehirn imstande ist, die potentiellen Konsequenzen eines Tuns zu errechnen, als sei das Bezugsgewebe, in das dies Tun fällt, ein ungeheuer kompliziertes Schachbrett, wo die Folgen eines zuges etwa von dem übermenschlichen "Gehirn" einer elektronisch betriebenen Rechenmaschiene zumindest so weit errechnet werden könnten, daß die Zukunft in Form von Alternativen vorraussagbar wäre. Die Unabsehbarkeit der Folgen gehört vielmehr zum Gang der von einem Handeln unweigerlich erzeugten Geschichte; sie bildet die dieser Geschichte eigene Spannung, die ein Menschenleben spannt und in Atem hält und ohne die es vor Langeweile förmlich in sich zusammenfallen müßte."(1) Und diese Geschichte kann über unser eigenes Handeln eine Macht ausüben, die in der griechischen Tragödie kaum je eindringlicher ...
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Dienstag, 6. Februar 2007

Fortunas rote Backen 3


Also machen wir hier mal den Bachofen -- oder so was ähnliches: Fortuna ist seit Machiavelli zur Ehefrau des Politikers domestiziert. Einerseits hat sie ein gewisses Maß an Selbstständigkeit, andererseits kann man sie auch mit ein paar Hieben oder mit Leidenschaft gefügig machen. Gemeinsam lenkt man die Geschicke eines Landes. Der Politiker herrscht und befiehlt, sei es nun auf eigene Rechnung, oder als Ausdruck der Idee, dass Demokratie die Bereitschaft eines jeden zum Herrschen und Beherrscht werden ist. Fortuna war einst die freie ungebundene Frau, die sich den Sakralkönig eines Volkes als Geliebten hielt. Der Sakralkönig war Teil eines menschlichen Bezuggewebes, in dem er eine bestimmte Funktion innehatte, aber nicht der Herrscher war. Er verkörperte zwar das Volk, aber nicht wie der absolutistische Herrscher - eher vielleicht wie ein Maskottchen. Politik ist Geschäft des Volkes, Politik ist nicht Herrschaft. Der Zufall lässt sich nicht zwingen, sondern geht eine freiwillige Liäson mit dem Volk - in Form seines Sakralkönigs - ein, kommt und geht, wie es ihm beliebt. Ohne Herrschaftsambitionen, ganz in Widerspiegelung zur ...
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Samstag, 20. Januar 2007

Fortunas rote Backen 2


Machiavellis Verständnis eines Herrschers, der ein vir ist, der also virtù besitzt, ist bekanntlich, daß dieser bereit ist alles zu tun, was für seine Herrschaft notwendig ist. Doch das Ziel des Herrschers ist auch in seinen Augen nicht nur der Bestand der Herrschft selbst, sondern eine Herrschaft in Ruhm und Ehre. Die Virtus, die für die antike Vorstellung des Ruhms so zentral war, wird entkernt: Virtù ist zwar Ruhm und Ehre, aber Ruhm und Ehre wird nicht mehr wie noch bei den Humanisten durch die Exzellenz in einem wohldefinierten Rahmen, der virtus erworben. Um es republikanisch auszudrücken: Die Arete der Polis ist immer auch Anerkennung der Arete, Ruhm und Ehre stellt sich ein, weil sie nichts anderes als Anerkennung, Zubilligung von Tugenden, von Exzellenz sind. Ruhm ist keine Folge der Anerkennung und auch keine Folge der Zuschreibung einer Tugend. Ruhm ist die öffentliche Zuschreibung von Exzellenz. Bei Machiavelli wird dieses Verhältnis äusserlich: Tugenden können Ruhm bringen, aber auch anderes kann dazu hilfreich sein. Da Tugenden mitunter eine Gefahr für die Herrschaft - und damit für eine wichtiges ...
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Dienstag, 9. Januar 2007

Fortunas rote Backen 1


Machiavellis machistisches Verhältnis zur Fortuna, der er durch virtù gefallen und möglichst sie dadurch auch erobern will, bleibt merkwürdig oberflächlich. Was sagt es uns aber für die neuzeitliche Politik, wenn Fortuna die Gewohnheit hatte, durch ein kleines Fenster in den Palast des Servius zu klettern, um mit ihm zu schlafen, sich aber dieser Affäre zu einem Sterblichen schämte? Was sagt es uns, wenn sie in ihrem zentralen Mythos mit der Aphrodite-Porne identsich war, wie Pierre Klossowski* meint? Wie verändert sich das Verhältnis zwischen (neuzeitlicher) Politik und Orgia? *Pierre Klossowski: "Kultische und mythische Ursprünge gewisser Sitten der Römischen Damen"; Berlin 1979, S. 33
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