Nicht-Glaube
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Die andere Seite der Wirklichkeit
Zitat aus: Hans Peter Duerr: "Sedna oder die Leibe zum Leben"; Frankfurt a.M. 1984 2. Auflage; S. 275: "A. Hultkrantz, 1983, S. 170*, hat meine Auffassung kritisiert, die „jenseitige Welt“ der Indianer sei nicht „das ganz Andere“, also eine im strengen metaphysischen Sinne andere Wirklichkeit, wie wie sie von unseren Transzendentreligionen kennen, sondern nur die andere Seite der Wirklichkeit, und er ist der Auffassung, daß ich meine philosophischen Lieblingsvorstellungen mit denen der Indianer verwechsele. Er selber meint dagegen, der Indianer lebe in zwei Welten, „both equally real and existencielly coexistent in space but totally different in kind“ (Hultkrantz, 1983b, S. 239)**, ja er spricht sogar davon, daß die beiden Welten in einem „dichotomischen“ Verhältnis zueinander stünden. Ich finde diese Kritik nicht überzeugend. (...) Ich meine, das Hultkrantz die Weltauffassung der Indianer grundlegend mißversteht, wenn er Transzendenzvorstellungen jüdisch-christlicher Prägung mit den „Jenseitsvorstellungen“ der Indianer verwechselt. Schon das griechische „Heilige“ ist ...
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Montag, 15. Oktober 2007
Diese Welt war nie rein
Jan Assmanns Verdienst liegt nicht zuletzt darin ,daß er die Erkenntnis der Tatsache, daß heidnische Kulturen keine Religion sind, popularisiert. In gleich zwei Fernsehdiskussionen (Wiederholung des "Philosophische Quartetts" mit dem Thema: "In Gottes Namen: Religion im Dienst der Politik"; "Gewalt und Religion - Wie gefährlich ist der Eingottglaube?") konnte ich mir anschauen, wie Jan Assmann sich bemüht, das Phänomen der Weltfremdheit, Weltdistanz, Weltfeindschaft, das Religionen, aber eben nicht heidnische Kulturen ausmacht, in Massenmedien zu erläutern. Dort benutzt auch bereits die Unterscheidung Religion versus Kult. Für eine Kultur, die das Christentum so tief inhaliert hat, daß es ssie sich kaum vorstellen kann, daß solche Dinge wie Götter, Rituale, Opfer nichts mit Religion zu tun haben, sondern unter Umständen Teil einer säkularen Kultur vor dem Zeitalter der Religion sind, ist das schwer zu schluckender Brocken. In seinem Buch "Ma'at. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten" von 2001 hangelt er sich noch an den Begriffen "primäre" und "sekundäre Religionen" entlang, um sich erst gegen ...
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Freitag, 10. August 2007
Die säkulare Phase vor der Religion
Auch in der Kultur des Alten Äygpten treffen wir auf das Phänomen, dass es - ähnlich wie in der germanischen oder antiken griechischen Kultur - Religion nicht gibt. Schön ist das im Standardwerk Jan Assmanns über die "Ma'at" herausgearbeitet. Ganz typisch scheint mir an der folgenden Passage aus dem Kapitel "Ma'at und die Genealogie der Religion" - das Vorbringen eines Religionsbegriffes ("System von letztinstanzlichen Verbindlichkeiten"), der so allgemein und unscharf ist, dass er alles mögliche subsummieren und nur deshalb auch das Heidentum erfasst, - das Hantieren mit zwei unterschiedlichen Religionsbegriffen, um die Brücke zwischen dem, was man gewähnlich unter Religion versteht zu finden - die Feststellung des Ineinanderfließens von Religion, Kultur, Weltbild, Staat, Moral, was - wie schon bei den Griechen erörtert - Folge einer anderen begrifflichen und pragmatischen Einteilung der Welt ist "Aber auch im Stadium der mythisch personalisierten Mächte ist Religion von Weltbild, Kultur und Staat nicht zu unterscheiden. Religion - verstanden als System von letztinstanzlichen Verbindlichkeiten (Forderungen an den Menschen) ...
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Freitag, 10. März 2006
Religiös ist auch nicht derjenige, der meint, es gebe Geister
Jan Philipp Reemtsma hat in einer Rede vom Mai vergangenen Jahres über die Frage, ob man Religiosität respektieren muß, sehr fein und dennoch nicht unversöhnlich herausgearbeitet, warum der Wahrheitsanspruch, den Benedikt XVI. aber auch Johannes Paul II vertreten, sich eigentlich nicht mit dem Wahrheitsverständnis in demokratischen Kulturen verträgt. Die Rede enthält auch schwache Stellen, etwa wenn Reemtsma sich durchaus berechtigt der oft formulierten Behauptung entgegenstellt, dass Gesellschaften ohne Religion nicht lebensfähig sind, weil ihnen dann der Sinn fehle. Mich interessierte an Reemtsmas Rede ein ganz anderer Passus gleich zu Beginn seiner Ausführungen, der eher apodiktisch anstatt argumentativ daher kommt: "Was verstehe ich unter Religiosität? Ich brauche natürlich einen weiten Begriff, der nicht nur Christen, Juden und Muslime, sondern auch Zeugen Jehovas und Animisten einschließt oder jedenfalls nicht von vornherein ausschließt. Religiosität besteht in der Überzeugung, dass die Welt nicht aus sich heraus verstanden werden kann. Natürlich sind auch die meisten Nichtreligiösen der ...
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Donnerstag, 27. Oktober 2005
Die fehlende Religion bei den Griechen 2
„Ja, Religion war ein so integraler Bestandteil griechischen Lebens, dass die Griechen kein eigenes Wort für »Religion« brauchten.“ Die antike griechische Kultur hatte kein Wort für Religion – ein Phänomen, was sie mit vielen unterschiedlichen Kulturen teilt. Und das bedeut erst einmal dass Religion als kulturelle oder soziale Kategorie nicht verwendet wurde. Bremmers Erklärung legt nahe, dass sie so selbstverständlich sei, dass eine Distinktion nicht notwendig gewesen ist. Eine seltsame Erläuterung. Denn dann hätten die alten Griechen kein Wort für vieles haben müssen, dass selbstverständlicher Teil ihres Lebens war: für Menschen, für Götter etc. Die Griechen teilten einfach die menschliche Welt anders ein, so dass Religion keine sinnvolle Kategorie war. Mit anderen Worten, in ihrer Gesellschaft – in ihrer Welt - gab es keine Religion. Und man muss genau prüfen, ob es aus unserer Sicht Sinn macht zu sagen, dass die Griechen eine Religion hatten, aber lediglich „das Wort nicht brauchten“. Denn das setzt voraus, dass die Verwendung oder Nicht-Verwendung einer fundamentalen ...
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Mittwoch, 26. Oktober 2005
Die fehlende Religion bei den Griechen 1
"(...)Im alten Griechenland war die Religion völlig in die Gesellschaft eingebettet: Kein Lebensbereich entbehrte eines religiösen Aspekts. (5) Geburt, Erwachsenwerden und Tod, Krieg und Frieden, Landwirtschaft, Handel und Politik - all diese Ereignisse und Aktivitäten wurden von religiösen Ritualen begleitet oder waren religiösen Regeln unterworfen; selbst der Liebesakt war nach einer Göttin, Aphrodite, benannt: aphrodisiazein. Heiligtümer beherrschten die Stadtsilhouetten, Götterstatuen standen an den Straßenecken; auch der Geruch von Opfern war nie weit entfernt. Ja, Religion war ein so integraler Bestandteil griechischen Lebens, dass die Griechen kein eigenes Wort für »Religion« brauchten. (6) Wenn Herodot die Religionen der Nachbarvölker Griechenlands beschreiben will, benutzt er den Ausdruck »zu den Göttern beten« (sebasthai tous theous), und wenn er die griechische Nation beschreiben will, nennt er »das gemeinsame Blut, die gemeinsame Sprache und die gemeinsamen Heiligtümer und Opfer«. Für Herodot also konnte das Problem der Beschreibung fremder Religionen auf die frage ...
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