Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Polytheismus

Sonntag, 30. März 2008

War gerade im Radio


Und zwar hier: WDR3: Lebenszeichen Zurück zu den Runen Über ein Wiederaufleben vorchristlicher Religionen Von Wolfgang Meyer und Irene Geuer Was bringt den 39 Jahre alten Filialleiter einer Bank dazu, sich in Studien über Stonehenge zu versenken und sich in Runen-Kunde zu üben? Warum schwören westliche Mittelständler dem Christentum ab und wenden sich einem "Verein für germanisches Heidentum" zu? Glauben sie wirklich an Thor und Odin? Das Christentum hat es offenbar nicht geschafft, alle heidnischen Wurzeln der Gesellschaften in Europa zu beseitigen. Und viele Menschen entdecken heute diese Wurzeln neu. Weil sie eine naturnahe Lebensweise suchen, weil sie die Umwelt schützen wollen, weil sie an viele Götter glauben wollen und nicht nur an einen. Die Mitglieder neuheidnischer Gruppen sind Sinnsucher, die aus allen gesellschaftlichen Gruppen kommen. Esoteriker, Umweltschützer, aber auch Rechtsextreme oder Linke. Ihren Platz finden sie in den vielfältigen neuheidnischen Gruppen und Vereinen, die z.B. aus keltischer oder germanischer Tradition gewachsen sind. Eine Spurensuche. Die Sendung Lebenszeichen wird jeden Sonntag um 22.35 ...
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Mittwoch, 21. November 2007

Verlassene Götter


"(...) Ich hab' euch niemals geliebt, ihr Götter! Denn widerwärtig sind mir die Griechen, Und gar die Römer sind mir verhasst. Doch heil'ges Erbarmen und schauriges Mitleid Durchströmt mein Herz, Wenn ich euch jetzt da droben schaue, Verlassene Götter, Tote, nachtwandelnde Schatten, Nebelschwache, die der Wind verscheucht - Und wenn ich bedenke, wie feig und windig Die Götter sind, die euch besiegten, Die neuen, herrschenden, tristen Götter, Die schadenfrohen im Schafspelz der Demut - O, da fasst mich ein düsterer Groll, Und brechen möcht' ich die neuen Tempel, Und kämpfen für euch, ihr alten Götter, Für euch und eu'r gutes, ambrosisches Recht, Und vor euren hohen Altären, Den wiedergebauten, den opferdampfenden, Möcht' ich selber knieen und beten, Und flehend die Arme erheben - Denn immerhin, ihr alten Götter, Habt ihr's auch eh'mals in Kämpfen der Menschen Stets mit der Partei der Sieger gehalten, So ist doch der Mensch grossmüt'ger als ihr, Und in Götterkämpfen halt' ich es jetzt Mit der Partei der besiegten Götter. Also sprach ich, und sichtbar erröteten Droben die blassen ...
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Donnerstag, 14. Juni 2007

Die bunte Vielfalt der Gelüste: heute chinesische Götter


SM ist entgegen manchen Mutmaßungen nicht nur eine christliche Angelegenheit. Hans Peter Duerr zu einem magischen Zwangsritual zum Regenmachen (- weiß man's, warum sich eine Gottheit so etwas antut?): "Solche magischen Zwangsrituale finden sich bereits im alten China. Dabei gab es drei Stufen der Nötigung. Der Kaiser konnte eine Gottheit, die sich unwillig zeigte, Regenfälle herbeizuführen, degradieren, ihren Tempel schließen oder sie verbannen. Die nächste Stufe bestand darin, das Kultbild der Gottheit in die glühende Sonne zu stellen, und die lezte war, das Kultbild so lange zu peitschen, bis es anfing zu regnen. Cf. A.P. Cohen, ["Concerning the Rain Deities in Ancient China", History of Religions] 1978, S. 248 f., 252." Hans Peter Duerr: "Sedna oder die Leibe zum Leben"; Frankfurt a.M. 1984 2. Auflage; S. 414 Derzeit unnötig, aber gut zu merken, wenn mal Bedarf besteht.
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Mittwoch, 14. März 2007

Nietzsche: Grösster Nutzen des Polytheismus


143. Grösster Nutzen des Polytheismus. Dass der Einzelne sich sein eigenes Ideal aufstelle und aus ihm sein Gesetz, seine Freuden und seine Rechte ableite - das galt wohl bisher als die ungeheuerlichste aller menschlichen Verirrungen und als die Abgötterei an sich; in der That haben die Wenigen, die diess wagten, immer vor sich selber eine Apologie nöthig gehabt, und diese lautete gewöhnlich: "nicht ich! nicht ich! sondern ein Gott durch mich!" Die wundervolle Kunst und Kraft, Götter zu schaffen - der Polytheismus - war es, in der dieser Trieb sich entladen durfte, in der er sich reinigte, vervollkommnete, veredelte: denn ursprünglich war es ein gemeiner und unansehnlicher Trieb, verwandt dem Eigensinn, dem Ungehorsame und dem Neide. Diesem Triebe zum eigenen Ideale feind sein: das war ehemals das Gesetz jeder Sittlichkeit. Da gab es nur Eine Norm:, "der Mensch" - und jedes Volk glaubte diese Eine und letzte Norm zu haben. Aber über sich und ausser sich, in einer fernen Ueberwelt, durfte man eine Mehrzahl von Normen sehen: der eine Gott war nicht die Leugnung oder Lästerung des anderen Gottes! Hier erlaubte man sich zuerst Individuen, hier ehrte ...
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Sonntag, 28. Mai 2006

Multiversalgeschichte


"Multi" ist ja jetzt scheiße: Multitude ist verquast, Multikulti ist naiv, Multinationale Unternehmen des Teufels. Und die radikale Rechte redet zwar schon länger - und nach zwanzig Jahren gar nicht mehr so neu - von Ethnopluralismus; aber innerhalb der Ethnie ist dann doch nix mit Multi. Von rechts bis links trifft man sich mit: "Postmoderne Beliebigkeit", "Naivität", "weltanschaulicher Supermarkt". Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit: "Einheit in Vielfalt" ist auf dem röm.-kath. Weltjugendtag klasse, und beim Weltsozialforum auch. Die Wahrheit soll eine sein, der Träger viele - dazwischen faselt man was von "unterschiedlichen Erfahrungen", man will ja nicht unhöflich sein. Oder besser: Ein paar Wahrheiten, ein Oligopol, in dem man sich vertraut im Kreise reigen kann. Deshalb fand ich die tausendfache Kritik an Fukayama nicht nur langweilig, sondern auch bigott. Das Ende der Geschichte, das wurde schon lange vor ihm herbeigesehnt, es atmet aus jeder Pore der geistigen Spießbürger, deren es heute nicht weniger gibt als im 19. Jahrhundert. Ich mag große Auswahl und ich mag es, Produkte unterschiedlicher Marken in meinen Einkaufswagen ...
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Montag, 8. Mai 2006

Ein paar Gedanken zum "Lob des Polytheismus"


1978 veröffentlichte Odo Marquard sein viel rezipiertes "Lob des Polytheismus". Für die einen ein Beispiel für die Verquickung konservativen Denkens mit den Irrationalismen der Postmoderne, war er für die anderen ein zeittypisches Phänomen der Liderlichkeit der Spätaufklärung, die die Verdienste der mosaischen und christlichen Religion um die Urspünge von Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit nicht mehr wahrhaben wollte. Marquard sieht den Polytheismus als Garanten für die "Freiheitschance, eine je eigene Vielfalt zu haben, d.h. ein Einzelner zu sein". Dies vermittels der Vielheit zugleich existierender Mythen , der "Polymythie": "So gab es im Polytheismus deswegen so viele Mythen, weil es dort viele Götter gab, die in vielen Geschichten vorkommen und von denen viele Geschichten erzählt werden konnten und mußten. Jene Gewaltenteilung im Absoluten, die der Polytheismus war - eine Gewaltenteilung durch Kampf und noch nicht durch Rechtsregeln - brauchte und brachte die Gewaltenteilung der Geschichten durch Polymythie. Das Ende des Polytheismus ist der Monotheismus; er ist das erste Ende der Polymythie: er ist eine ganz ...
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Samstag, 6. Mai 2006

Zwei Auguren können sich nicht treffen, ohne übereinander zu lächeln


Es ist im heutigen kulturdiagnostischen Jammern der christlichen Kreise, aber auch in der "wissenschaftlichen" antireligiösen Polemik ausgelutschte Floskel geworden, über den Supermarkt der Beliebigkeit zu klagen oder über die Verunsicherung des Menschen zu schwafeln, weil ihm nach dem Mittelalter angeblich verbindliche und übergreifende Wertehorizionte abhanden gekommen seien. Neben der Esoterik als beliebtes Nörgelobjekt, an dem sich jeder Erstsemester seine Zähne für zeitkritische Bemerkungen schleifen lassen darf, sind es Neue Religiöse Bewegungen, die so irritieren. Dass Neue Soziale Bewegungen auftauchen, geht ja noch an. Nach der ersten Unruhe über Schwule, Latzhosentträgerinnen, Friedensapostel und Müslifresser haben selbst die Kirchen erkannt, dass dort ein Teil ihres bürgerlichen Auditoriums abgeblieben ist, das die wertkonservative Grundstimmung teilt. Die weltanschauliche Linke freute sich, das der Spätkapitalismus Strömungen und Milieus hervorbrachte, die für Reform oder gar Revolution zu gebrauchen waren. Aber wieso müssen immer noch Neue Religiöse Bewegungen sich verbreiten? Ein Spuk, ...
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Samstag, 18. Dezember 2004

Ist der Polytheismus toleranter?


Feyerabend sieht in dem heidnischen Polytheismus generell ein höheres Potential für weltanschauliche Toleranz. Er beschreibt die archaische Heldenwelt Homers: "In religiösen Dingen herrscht eine Toleranz, die späteren Generationen moralisch und theoretisch unannehmbar war und die selbst heute noch als Ausdruck von Oberflächlichkeit und Naivität gilt. Er archaische Mensch ist ein religiöser Eklektiker, er hat nichts gegen fremde Götter und Mythen, er fügt sie dem vorhandenen Inventar der Welt hinzu, ohne eine Synthese oder die Beseitigung von Widersprüchen zu versuchen. Es gibt keine Priester, kein Dogma, keine kategorischen Aussagen über Götter, Menschen und die Welt. (Die Toleranz findet sich noch bei den ionischen Naturphilosophen, die ihre Gedanken in enger Verbindung mit dem Mythos entwickeln, ohne zu versuchen, diesen zu beseitigen.) Es gibt keine religiöse Moral in unserem Sinne, auch sind die Götter keine abstrakten Verkörperungen ewiger Grundsätze. Das wurden sie erst später, im archaischen Zeitalter, und als Folge davon »verloren sie ihre menschlichen Eigenschaften. So tendierte die ...
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