Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

aphrodisiazein

Donnerstag, 27. März 2008

Salonkultur der Aufklärung


"Every man who believes that his honour depends upon that of his wife is a fool who torments himself, and drives her to despair; but he who, being naturally jealous, has the additional misfortune of loving his wife, and who expects that she should only live for him; is a perfect madman, whom the torments of hell have actually taken hold of in this world, and whom nobody pities." Anthony Hamilton: "The Memoirs of Count Grammont" (1713) Dieser herrlich zynische Satz von Count Anthony Hamilton wäre zwar nicht weniger hart, aber gar nicht so unzutreffend, wenn "naturally" gestrichen und "misfortune" durch "good fortune" ersetzt wäre. Aufgeschnappt bei einer Lektürereise von Montaignes "Essais" zur Salon-Kultur des Ancien Regime.
[Zettel auffalten...]



Donnerstag, 13. März 2008

Die präventive Strafe zur Kondombenutzung


Das Bundesverfassungsgericht hat also seine Entscheidung getroffen, daß erwachsene Menschen, die Bruder und Schwester sind, zwar miteinander ins Bett dürfen, anal oder oral miteinandern verkehren, Petting, SM, Bonding (muß natürlich Bondage heißen; aber Bonding ginge auch; Anm. JL 30.03.08) oder was auch immer machen dürfen, nur "Vaginalverkehr", den dürfen sie nicht vollziehen: "Der Beischlaf zwischen Geschwistern betrifft nicht ausschließlich diese selbst, sondern kann in die Familie und die Gesellschaft hinein wirken und außerdem Folgen für aus der Verbindung hervorgehende Kinder haben. Da das strafrechtliche Inzestverbot nur ein eng umgrenztes Verhalten zum Gegenstand hat und die Möglichkeiten intimer Kommunikation nur punktuell verkürzt, werden die Betroffenen auch nicht in eine mit der Achtung der Menschenwürde unvereinbare ausweglose Lage versetzt." Das ist richtig. Aber wenn es dem Gericht darum geht, daß es bei der Zeugung von Kindern durch Geschwisterliebe zu einer "Überschneidung von Verwandtschaftsverhältniss en und sozialen Rollenverteilungen und damit zu einer Beeinträchtigung ...
[Zettel auffalten...]



Dienstag, 8. Januar 2008

Berührung in der Love-Bar


Cactus bar heißt ein Tanztheater der Choreographin Stephanie Thiersch (MOUVOIR), das sich auf sehr interessante Weise die Erotik hinter, mit und anstatt der Sexualisierung und Pornographierung unseres alltäglichen Welt beschäftigt. Ich hatte das Vergnügen, die letzte Kölner Aufführung für das Jahr 2007 zu besuchen und mochte den Umgang mit den Klischees und den Mut, Lust und Leidenschaft tragisch, bestialisch-grausam, vergeblich, unfreiwllig und freiwillig komisch darzustellen. Allerdings scheint mir die Interpretation dieses Kritikers dann doch zu pessimistisch, denn gab auch eine sehr feine Art, wie ganz berührende Formen von Nähe dargestellt wurden, kleine Gesten und unscheinbaren Bewegungen, die einem ans Herz krochen. Der Abschlussapplaus in dem kleinen Theater schien übrigens nicht enden zu wollen. Ich lese gerade MacIntyres Kritik an Herbert Marcuse und es ist wohl ohne Zweifel plausibel, daß bei der Erotisierung unseres Lebens, wie sie seit der surrealistischen Avantgarde und der psychoanalytischen Spießerkritik (oder seit de Sade?) herbeigesehnt wurde, ein Fehlkalkulation aufgetreten ist. Auch wenn Foucault ...
[Zettel auffalten...]



Sonntag, 8. Juli 2007

Stoßseufzer


Der CSD-Zug schien mir diesmal irgendwie lahm. Ich rätsele woran es lag. An mir, an der direkten Publikumsumgebung in der "Breiten Straße", am Zug? Trotz der vielen Reize, die mich dankbar sein lassen, in einer so schillerndern und freizügigen Zeit wie der jetzigen leben zu können, eine seltsame Reizlosigkeit. Apropos Reizlosigkeit: Ich hab ja mal die geistige Reizlosigkeit im Umfeld der Polyamoureusen angesprochen, weil es mir allzu einfach auf das private Glück zielt und eine gewisse Widerständigkeit im überindividuellen, politischen Sinne zu fehlen scheint. (Eine Bemerkung, die man mir anscheinend übel nahm.) Aber nach ein jüngsten Durchsicht diverser Blogbeiträge muss ich sagen: Noch wesentlich unangenehmer als dieser Umstand sind mir linke Kritiker und Adepten/innen der "Cultural Studies", die mit ihrer abtörnenden Sprache über die Lust an der freien Liebe so schreiben, daß auch noch die letzte Liebe aus den Buchstaben gepresst wird. Die verorten dann ganz schlau die Polyamory in ihrer Systemkritik, ob sie kleinbürgerlich oder subversiv, Folge des Spätkapitalismus oder perfide Wendung der bürgerlich-patriachalen ...
[Zettel auffalten...]



Montag, 7. August 2006

Polyamory 2 - erotische Subversion trotz geistiger Reizlosigkeit?


Abschliessender Besuch eines Treffens von Polyamoreusen: Eine Schrebergartenidylle an Menschen, die mit mehr als einem Menschen schlafen und mehr als einen lieben. Offen, herzlich, sympathisch zögerlich, kein Kult der Arroganz wie er doch sonst vielen sexuellen Subkulturen innewohnt. Attraktive Menschen darunter, auch nachdenkliche, kritische. Keine jungen Heißsporne, die sich noch austoben müssen, sondern gestandene Leute Ende 30, die Erfahrungen mit Kindern, Familie und der Liebe gemacht haben. Aber von den neopaganen Wurzeln und der darin innewohnenden Ahnung einer anderen Kultur bis zur Langeweile emanzipiert: Ähnlich wie bei der schwulen Sub scheint die Szene jeglichem weitergehenden Interesse jenseits der sexuellen Vergesellschaftung entkleidet. Kein emanzipatorischer Anspruch, über die Akzeptanz der eigenen sexuellen Gelüste hinaus Verhältnisse zu verändern, ein Anspruch wie er z.B. noch in der Lesbenbewegung existiert. Kein Ansinnen als jenes, wie jede andere sexuelle Minderheit einen bestimmten Lebenstil offen leben zu können. Ein Befund, den mir auch Beobachter in den Vereinigten Staaten bestätigen. Man trifft sich um Liebespartner ...
[Zettel auffalten...]



Freitag, 30. Juni 2006

Polyamory - ein Produkt des Sexualitätsdispositiv? 1


Die Einkörperung der Perversionen und eine Spezifizierung der Individuen? "Die Sodomie - so wie die alten zivilen oder kanonischen Rechte sie kannten - war ein Typ von verbotener Handlung, deren Urheber nur als ihr Rechtssubjekt in Betracht kam. Der Homosexuelle des 19. Jahrhunderts ist zu einer Persönlichkeit geworden, die über eine Vergangenheit und eine Kindheit verfügt, einen Charakter, eine Lebensform, und die schließlich eine Morphologie mit indiskreter Anatomie und möglicherweise rätselhafter Physiologie besitzt. Nichts von alledem, was er ist, entrinnt seiner Sexualität. Sie ist überall in ihm präsent: allen seinen Verhaltensweisen unterliegt sie als hinterhältiges und unbegrenzt wirksames Prinzip; schamlos steht sie ihm ins Gesicht und auf den Körper geschrieben, ein Geheimnis, das sich immerfort verrät. Sie ist ihm konsubstantiell, weniger als Gewohnheitssünde denn als Sondernatur. Man darf nicht vergessen, daß die psychologische, psychiatrische und medizinische Kategorie der Homosexualität sich an dem Tag konstituiert hat, wo man sie - und hier kann der berühmte Artikel Westphals von 1870 ...
[Zettel auffalten...]



Dienstag, 6. Juni 2006

Ich wünsch Euch viele "Seitensprünge"


Liebe Sara, du schreibst über Betrug, Seitensprung-Agenturen und das Fremdgehen. Du beklagst dich darüber, dass "sich die Soziologie zunehmend auf die Widerlegung all dessen [konzentriert], was uns ein kultureller Überbau über Jahrtausende gesichert hat. Fremdgehen und Polyamorie werden als lohnenswerte Evolutionsstrategien gehandelt, die im Gegensatz zur biederen christlichen Sexualmoral auf Vergleiche mit dem Tierreich setzen und den Vorteil der Spermienkonkurrenz für den Survival of the fittest unterstreichen." Nun solange ist es doch noch nicht her, dass unsere Kultur in allseitig verbreiteten biologistischen Argumentationen die zivilisatorsich und evolutionär "überlegenen" Moralverhältnisse der Monogamie gepredigt hat - da hat die christliche Tradition nicht abseits gestanden und die Nase gerümpft. Seit geraumer Zeit ist nun aber das legitimatorische Aufbrechen der monogamen Strukturen in der Spermiensoziologie angekommen. Und? Selbst wenn sie immer schon den Zeitgeist in billige Argumentationen übersetzt hat - zu den Hauptingredenzien der Grundbrühe, von denen das geistige Rezept ihres Schwadronierens ausgeht, werden auch ...
[Zettel auffalten...]



Praxis der Aphrodisia

Spiegel

Herzlich willkommen. Sie sind nicht angemeldet. Sie können dennoch einen Kommentar abgeben.

Die Startseite finden Sie hier.


Kontakt und RSS

Sie erreichen mich über diese Emailadresse.


Creative Commons License

kostenloser Counter


Neue Feeds!

Zeigt den Feed an.


Translation Google:

See this page in English Voir cette page en francais